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Dienstag, 27. Mai 2014

Japanische Kampfhörspiele - Welt ohne Werbung (Unundeux)

"Der Mensch gewöhnt sich an alles, sogar aneinander" - nur eine von unzähligen Zitier-fähigen Zeilen, die die Japanischen Kampfhörspiele auf ihrem neuen Album zu bieten haben. Mit bissiger Ironie und viel Sarkasmus wird einmal mehr ein sozialer Missstand nach dem anderen angeprangert. Weiteres Beispiel gefällig? "Die Kinder in den Coltanminen Nigerias hätten auch gern ein Telefon mit Touchscreen. Sie würden damit dann online gehen und uns unsere wichtigen Kommentare schreiben sehen".

Finger in die Wunde stecken, aufschrecken, aber natürlich auch provovieren: Bei Songtiteln wie "Gedopte Sklaven" oder "Der neue Hitler" kann man sich schon dneken, dass die ungewöhnliche Band auch anno 2014 wieder auf viel Zustimmung, aber auch die gewohnte Ablehnung stoßen wird. An Themen und Wut mangelt es jedenfalls nicht - vielleicht einer der Gründe, warum Jaka ihre vor drei Jahren angekündigte Auflösung schon wieder rückgängig gemacht haben. Da war wohl zu viel, was rausmusste - satte 20 Songs schreibt man ja auch nicht einfach so aus einer Laune heraus.

Musikalisch ist es der altbekannte Mix: Grind, Metal, Hardcore und Punk - viel Lärm, viele Growls, aber diesmal auch ein etwas deutlicherer Fokus auf Groove; es wird mehr plattgewalzt, weniger gescheppert, extrem bleibt man natürlich trotzdem. Qualitativ ist "Welt Ohne Werbung" jedenfalls recht weit oben in der Band-Discographie angesiedelt - die Musikwelt kann sich freuen, eine ihrer härtesten deutschprachigen Ausnahmeerscheinungen wieder zu haben.