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Mittwoch, 8. April 2015

Verlorene Jungs - s/t (Schema F)

Ziemlich lange hat es gedauert, bis mal wieder ein neues Lebenszeichen von Verlorene Jungs erscheint - was unter anderem daran lag dass man sich mit keinem Label einigen, am Ende erscheint das Ganze nun in Eigenregie. Was durchaus Sinn macht: Die Band hat die Oi-Anfangstage lange hinter sich gelassen und über die Jahre ihren ganz eigenen Stil gefunden, der zu keiner Szene oder Nische so richtig passt - das sieht man schon daran, dass man zuletzt ebenso mit Muff Potter, den Toten Hosen oder der Hamnburger Schule verglichen wurde, jeder dabei aber immer das Gefühl hatte, nicht so richtig den Nagel auf den Kopf zu treffen.



Das neue Album wird daran nichts ändern, im Gegenteil: Die 13 Songs sind wieder irgendwo zwischen Punk, Indie, Pop und Rock, können und wollen nicht eindeutig eine Schublade betreten. Einem Stück wie "Wahn und Lüge" wohnt die Punkrock-Kraft mit einem Schuss Stadion-Appeal inne; da steckt viel Frust und Verzweiflung über aktuelle Politik und Wut über allgemeine Untätigkeit drin. "Komm wir feiern" hingegen setzt auf ein paar ironische Ska-Ankläge, bevor "Monoton" im verträumten und balladesken Pop landet und "48 Stunden" ein hymnischer Ohrwurm über die sinnvollste Nutzung der letzten Lebenszeit ist.

Auffällig ist, wie düster die Platte geworden ist; so nachdenklich und melancholisch klangen Verlorene Jungs wohl noch nie. Wer die Entwicklung der Band mit Wohlwollen verfolgt hat, wird aber zweifellos auch an der neuen Scheibe Gefallen finden - eben weil sie sich ebenso abwechslungsreich wie eigen, genauso wütend wie eingängig gibt.