Freitag, 11. September 2015

Bring Me The Horizon – That’s The Spirit (Sony)

Kinderchöre, Schmuse-Melodien, Wattebausch-Refrains: Wer dachte, Bring Me The Horizon hätten sich mit „Sempiternal“ weitestmöglich von ihrem Ursprungssound entfernt, wird sich bei „That’s The Spirit“ verwundert die Ohren reiben. Die Band geht weiter kompromisslos ihren Weg in Richtung Melodie und Zugänglichkeit und wird die Hardcore-Metal-Fans der frühen Tage, die schon die letzten Jahre wütend gemotzt haben, endgültig vom Glauben abfallen lassen.


Allerdings wird man das verkraften können, da für jeden enttäuschten Ex-Fan wahrscheinlich 10 neue dazu kommen: „That’s The Spirit“ ist nämlich nicht einfach nur poppiger und massentauglicher, sondern ein absolutes Ohrwurm-Sammelsurium; vorausgesetzt, man mag Bands wie Linkin Park, Dusturbed und Kapellen an der Schnittgrenze zwischen Rock und härteren Tönen.

„Happy Song“ etwa platziert sich irgendwo zwischen Grunge, Alternative und Stadion-Pathos,  „Throne“ ist eine Elektro-NuMetal-Verneigung vor eben genannten Linkin Park, „True Friends“ schlägt die Brücke von Screamo über Breitwand-Dramatik bis hin zu The Used. Alle Stücke geben zwar vor, Metal als Grundlage zu haben, dürften im Grunde aber mit ihrer direkt ins Ohr gehenden Hook, dem massiven Schuss Pop und verspielter Elektronik jede Chart-Spitze erklimmen.


In manchen Momenten - bei „Follow You“ etwa - wird es dann allerdings schon extrem kitschig, das ist eher Synthie-Kuschel-Pop und zeigt, wie weit BMTH mittlerweile in Sachen Radiotauglichkeit gehen. Hinzu kommt der eine oder andere Lückenfüller, der auch nach mehrmaligem Hören keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Insgesamt haben Bring Me The Horizon hier aber ihre Bewerbung für den Chart-Thron und noch größere Hallen abgegeben – und dürften trotz zeternder Früh-Fans auch bei beidem durchschlagend erfolgreich sein.


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