Mittwoch, 26. Juni 2013

NRFB - Trüffelbürste (Staatsakt)

Beim aktuellen Album von Kommando Sonne-Nmilch namens "You Pay I Fuck" war man ja im allgemeinen überrascht darüber, wie straight und klassisch da Punkrock zelebriert wurde - Bandkopf Jens Rachut ist im Normalfall ja eher für beständige experimentelle Ausbrüche bekannt. Aber der Mann, der sich durch Bands wie Dackelblut, Blumen Am Arsch der Hölle und einige mehr seinen Enfant Terrible-Ruf mehr als verdient hat, konnte da wohl auch nur so konsequent einheitlich vorgehen, weil er seinen musikalischen Wahnsinn in einem anderen anderen Projekt ausleben kann - aktuell nämlich bei NFRB, eine Abkürzung für Nuclear Raped Fuck Bomb.

Da die Platte dann auch noch "Trüffelbürste" heißt, wissen Rachut-Fans gleich: Einfach wird hier nichts. Die Songs sind ein wilder Stilmix, niemals vorhersehbar, ab und zu eingängig, oft anstrengend. Ähnliches gilt für die Texte, die zwischen Nonsens und Poesie wechseln, mal gesprochen, dann gesungen werden, mal männlich, mal weiblich. Bei "Kill Mainstream" muss man so an die Lassie Singers denken, beim hypnotischen "Hälfte Des Gehirns" meint man einen Ambient-Chill-Mix eines Kassierer-Songs vor sich zu haben, bevor dann in "Zoo Im Krieg" mit atmosphärischen Sounds und Störgeräuschen nur so um sich geworfen wird.

Natürlich muss man schon sehr aufgeschlossen sein, um "Trüffelbürste" am Stück genießen zu können, andererseits wirkt die Platte nie so, als würde sie es darauf anlegen, unbedingt sperrig zu sein - am Ende macht jeder Song für sich Sinn, und nach einigen Hördurchgängen meint man sogar, den einen oder anderen Ohrwurm auszumachen. Die Hörerschaft dieser Scheibe ist trotzdem sehr begrenzt - aber wer Rachuts Werk schätzt, wird sich über den neuerlichen Ideenreichtum und Wahnsinn freuen.


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