Dienstag, 11. Februar 2014

Broilers - Noir (People Like You)

Eigentlich dachte man ja mittlerweile, dass ein neues Broilers-Album ähnlich vorhersehbar ist wie die Antwort auf die Frage, ob Bayern München am nächsten Bundesliga-Spieltag als Sieger vom Platz geht. Die letzten Jahre gab es nur eine Richtung bei den Düsseldorfern, insofern war doch auch klar, wie "Noir" klingen würde: poppiger, glatter, hymnischer, noch mehr nach Pathos, Stadion und Die Toten Hosen. Ein glatter Angriff auf die Nummer 1 der Charts eben.

Aber, Überraschung: Das stimmt nur zum Teil. "Noir" ist teilweise so anders geworden, dass  diesmal eben nicht nur die Fans der Frühphase verwundert aus der Wäsche schauen werden, sondern auch die (gefühlten) Millionen, die erst bei Santa Muerte eingestiegen sind.

Dabei ist das Anfangs-Trio noch erwartete Kost: Der Opener "Ist Da Jemand" zelebriert die "Wir zusammen gegen den Rest"-Attitüde par excellance, hat so viel Ohrwurm-Potenzial und Hymnenhaftigkeit, dass man sofort seine Freunde oder, falls gerade keine da sind, auch beliebige Fremde im Konzertsaal oder der Bahn in den Arm schließen und mitsingen möchte; Stadion-Punk in Perfektion eben. Auch "Zurück In Schwarz" gibt sich zumindest ein bisschen bratzig, bei "Wo Es Hingeht" wird es dann zwar relaxter, das passt aber zumindest grob immer noch in eine Pop-Punk-Schublade.

Was dann passiert, ist allerdings nicht einfach nur ein balladesker Einschub, sondern ein Zurückschalten um mehrere Gänge in den Energiespar-Modus: "Nur Nach Vorne Gehen", "Ich Hol Dich Da Raus", dann auch "Wo Bist Du (Du Fehlst)?" - das ist Pop. Und zwar leiser, glatter, Radio-kompatibler Pop für Leute, die die Die Toten Hosen für harte Musik halten und sich lieber was "nachdenkliches" wünschen. Wer angesichts des letzten Juppiter Jones-Albums verwundert darüber war, wie ruhig eine einst punkige Band werden kann, sollte sich die genanten Broilers-Songs mal zu Gemüte führen - der Sprung ist noch heftiger.

Was allerdings nicht heißt, dass die Songs schlecht wären - die Broilers wissen, wie ein guter Pop-Song zu klingen hat, Komposition, Gesang und Text sind stimmig, aber eben auch gewöhnungsbedürftig. Zu sehr überfordern will man die Fans allerdings auch nicht, es wird immer wieder in bekannte Schemata zurückgekehrt - "Nanana (Ich Krieg das Hin)" oder "Grau, Grau, Grau" sind dann eben doch wieder die Art von Ohrwürmern, die - siehe Einstieg - zu erwarten waren. Und die auch so gut sind, wie es die Fans der Broilers erhofft haben.

Am Ende, so viel dürfte sicher sein, werden eben diese Fans auch diese Veränderung weder gutheißen, sodass zumindest eine Erwartung dann doch erfüllt wird - der "Angriff auf Platz 1 der Charts" sollte voll und ganz aufgehen.


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