Freitag, 7. November 2014

Lagwagon - Hang (Fat Wreck)

Satte neun Jahre sind seit dem letzten Album von Lagwgaon vergangen, in Vergessenheit geraten ist die Melodycore-Legende aber trotzdem nicht - einerseits, weil sie dafür zu viele Genre-prägende Scheiben veröffentlicht hat. Andererseits, weil Joey Cape in all den Jahren doch immer irgendwie präsent war. Als Solokünstler mit seinen anderen Projekten Bad Astronaut, Scorpios und Bad Loud etwa, bei den Cover-Königen Me First and the Gimme Gimmes oder seinem kürzlich ins Leben gerufenen weiteren Nebenjob als Labelmacher und Produzent von Songwriter-Alben für One Week Records.



Das hat alles Spuren hinterlassen - ebenso wie der tragische Tod von Tony Sly, der Cape tief getroffen hat und deutliche Auswirkungen auf "Hang" hat. Nicht nur im wunderschönen, aber auch traurigen Stück "One More Song", über das Cape sagt: "Die letzten Tage, die wir zusammen auf Tour waren, hat er ein Lied geschrieben und für mich gespielt, und es war unbeschreiblich. Was ist mit diesem Lied passiert? Ich kann mich nicht entsinnen. Ich kann mich nicht gut genug daran erinnern, um zu sagen, "das ist das letzte Lied, das Tony je geschrieben hat.""

Hang ist aber allgemein durchzogen von einem düsteren Unterton. Nicht, dass Lagwagon und insbesondere Cape nicht schon immer ein feines Händchen für melancholische Untertöne gehabt hätten. Aber "Hang" ist von der Cover-Gestaltung bis hin zum Klang für Lagwagon-Verhältnisse ungewohnt düster, hat überraschend viele Metal-Riffs zu bieten, etwa in "Made Of Broken Parts" oder "Cog In The Machine" und geht mit "Burden Of Proof" auch gleich ungewohnt ruhig los. Überhaupt, mit dem Argument "Lagwagon haben sich übnerholt" sollte niemand kommen, denn "Hang" ist nicht einfach eine Neuauflage alter Glanztaten, sondern sehr vielseitig, abwechslungsreich, vor allem aber: Wirklich gut.

"Reign" oder "Poison In The Well" werden alte Fans glücklich machen und dank großartiger Melodien auch schnell zu Live-Favoriten werden, "Obsolete Absolute" gibt sich in satten sechs Minuten ebenso experimentell wie mitreißend, "Burning Out In Style" ist ein aufmunternder, positiver Pop-Punksong.

Viele Stücke lassen sich herauspicken, und auch wenn nicht alles sofort zündet - "Hang" ist nicht nur das nachdenklichste, sondern wahrscheinlich das tiefgründigste Lagwgaon-Album aller Zeiten. Was aber gleichzeitig nicht heißt, dass die Band nicht immer noch tolle Ohrwürmer schreiben würde. Kurzum: Es ist gut, dass Lagwgaon wieder da sind - in dieser Form sind sie nicht einfach eine schöne Erinnerung an die Glanzzeit des Melodycore, sondern immer noch eine herausragende Punkrock-Band.


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