Donnerstag, 13. Juli 2017

Sondaschule – Schere, Stein, Papier

Die Laune war auch schon mal besser: Nachdem Sondaschule zu früheren Zeiten zwar auch immer ein bisschen politisch waren, Spaß und Punkrock aber meist im Vordergrund standen, ist „Schere, Stein, Papier“ eine doch überraschend düstere und zynische Angelegenheit geworden. Der Opener „Amsterdam“ mag noch als locker-entspannte Offbeat-Hymne durchgehen, schon ab „Waffenschein bei ALDI“ wird aber klar, dass die Band massiv am Geisteszustand großer Teile unserer Gesellschaft zweifelt. Alltags-Rassismus ist omnipräsent, der Wunsch vieler, sich abzuschotten und die Grenzen dicht zu machen mehr als deutlich – genug Stoff, um viele Texte darüber zu schreiben.



Die Beweggründe der Band sind mehr als nachvollziehbar, die Umsetzung beraubt die Band aber einiger ihrer Qualitäten – Sarkasmus statt Ironie sorgt dafür, dass es schwer fällt, in die Songtexte einzustimmen – „wer uns hier nicht passt der fliegt raus“ ist eben nicht die Art von Ohrwurm-Zeile, die man gerne mitsummt. Das niedrige Tempo plus die höhere Portion Pathos verhindern, dass die Stücke richtig mitreißen. Die Laune der Band ist nachvollziehbar, wo bei anderen Wut und Enttäuschung einen positiven Effekt auf die musikalische Qualität haben, scheint sie trotz aller guten Absichten musikalisch hier eher zu lähmen.


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