Freitag, 22. Januar 2016

Terrorgruppe – Tiergarten (Destiny)

Da ist es also, das erste richtige neue Terrorgruppe-Album nach dem vorübergehenden Ruhestand 2005, überraschender Reunion und erster EP. Archi, Johnny Bottrop und Zip Schlitzer sind also zusammen mit den Neuzugängen Kid Katze und Eros Razorblade so richtig wieder da, full time sozusagen, und hier zumindest schon mal 14 Songs lang. Was die EP schon angedeutet hat, macht aber auch das Album schnell klar: Die Terrorgruppe ist sich zwar grundsätzlich treu geblieben – über zehn Jahre gehen aber auch an so einer Kapelle nicht spurlos vorbei.


Natürlich war die Band schon immer bekannt für ihren Mix aus Punk und Pop und diversen anderen Stilrichtungen, die gut zu Sound und Message passten. „Tiergarten“ ist aber nochmal deutlich relaxter, eingängiger, harmonischer – das hier ist weitgehend Power-Pop, oft entspannt und eher von feinem Zynismus und weniger von bissiger Ironie durchzogen. Unterstrichen wird das noch von den neuen, sehr präsenten Orgel-Sounds – Stücke wie „Schlechtmensch“ werden so zu zumindest musikalisch  entspannten Sonnenschein- und Gute-Laune-Nummern.

Textlich hat man aber natürlich immer noch das Messer zwischen den Zähnen – die Gesellschaftskritik ist nämlich vielleicht nicht mehr so provokant und auch viel weniger plakativ als früher, aber immer noch mehr als deutlich. Wenn es um rechtes Gedankengut, Pegida, Gentrifizierung und alle diese Themen geht, bezieht man eindeutig, aber oft für Terrorgruppen-Verhältnisse auch überraschend subtil Stellung – man nehme etwa einen Song wie „Maximilian“, der ein paar grandiose Wortwitz-Momente bereit hält.


In dem Zusammenhang macht auch ein Gastauftritt  von Tarek (KIZ) im Song „Schmetterling“ inhaltlich Sinn – „Tiergarten“ ist eines dieser Alben, das zwar durch und durch Punkrock ist, aber das nicht unbedingt durch Tempo oder harte Riffs unterlegen muss. Ob die Scheibe bei den Fans mal einen ähnlichen  Stellenwert haben wird wie frühe Glanztaten bleibt zwar abzuwarten  – eine gelungene Reunion ist das aber allemal geworden.


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